Vergiss‘ Techniken!

Vergiss‘ Techniken!

Hast du genug davon, krampfhaft vor dem Spiegel Selbstbewusstsein einzuüben?

Warum normale Tipps für mehr Selbstbewusstsein oft nicht helfen

Viele Menschen bewundern Personen, die sehr selbstbewusst auftreten – selbst dann, wenn diese Fehler machen oder wenig Erfahrung haben. Man fragt sich: „Wie machen die das? Warum kann ich das nicht?“

Es gibt sehr viele Bücher mit Tipps für mehr Selbstbewusstsein. Typische Ratschläge sind:

  • Denk an deine Stärken!
  • Akzeptiere dich so, wie du bist!
  • Sag „Stopp“ zu negativen Gedanken!

Das Problem ist: Diese Tipps funktionieren in der Praxis oft nicht. Viele Menschen scheitern damit. Danach fühlen sie sich meistens noch schlechter. Sie denken, sie seien selbst schuld daran, dass die Tipps nicht klappen.

Das Problem mit dem Üben von Techniken

Die Erfahrung zeigt: Man kann Selbstbewusstsein nicht einfach wie einen Muskel trainieren.

Natürlich kann man lernen, sich gerade hinzustellen, laut zu sprechen und anderen in die Augen zu schauen. Vor dem Spiegel oder in einem Seminar zum Thema klappt das auch gut. Aber im echten Leben – vor dem Chef, dem Partner oder unzufriedenen Kunden – ist die Unsicherheit schnell wieder da. Man schafft es dann trotzdem nicht:

  • „Nein“ zu sagen.
  • Die eigene Leistung gut zu verkaufen.
  • Kritik nicht persönlich zu nehmen.

Wie wir uns selbst unsicher machen

Der Grund dafür ist: Wir haben kein „zu geringes“ Selbstbewusstsein, sondern wir machen uns selbst aktiv unsicher. Wir tun das durch automatische, negative Gedanken. Diese Gedanken kommen ganz von alleine, zum Beispiel:

  • „Du wirst versagen!“
  • „Die anderen lachen dich aus!“
  • „Niemand mag dich, wenn du das tust!“

Einfach das Gegenteil zu denken, hilft meistens nicht. Das hat zwei Gründe:

1. Gefühle verändern sich nicht nur durch Logik

Veränderung tut oft weh. Man muss sich den eigenen, unangenehmen Gefühlen stellen. Davor haben viele Menschen Angst.

2. Die Unsicherheit schützt uns (scheinbar)

Wenn man immer nett ist und Streit vermeidet, ist das eine gelernte Strategie. Man will sich vor Ablehnung schützen. Wenn man zum Beispiel einem Freund nicht beim Umzug helfen will, bekommt man Angst: „Er wird mich bestimmt hassen oder mich egoistisch finden.“

Woher die Unsicherheit kommt

Diese negativen Sätze im Kopf stammen meistens aus der Kindheit oder Jugend. Es sind Dinge, die Eltern, Geschwister oder Lehrer früher zu uns gesagt haben.

Um das zu ändern, reicht es nicht aus, das nur vom Kopf her zu wissen. Man muss die alten, schmerzhaften Gefühle – wie Scham, Angst oder Wut – noch einmal spüren. Nur so kann man die alten Muster durchbrechen. Wer sich unsicher fühlt, glaubt heute immer noch den alten, negativen Botschaften von früher, anstatt sich als Erwachsener davon abzugrenzen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Komfortzone verlassen

Um echtes Selbstbewusstsein zu erlangen, muss man die eigene Komfortzone verlassen und etwas wagen.

In einem Seminar sollte eine Teilnehmerin zur Übung 200 Meter rückwärts durch eine Fußgängerzone laufen. Sie hatte große Angst davor. Am Ende passierte aber genau das, was ich vorhergesagt hatte:

  • Die meisten Menschen bemerkten sie gar nicht.
  • Einige lächelten nur kurz.
  • Niemand tat ihr etwas Böses.

Die Angst entstand nur in ihrem eigenen Kopf, weil sie sich Gedanken darüber machte, was Fremde über sie denken könnten. Als sie merkte, dass die Meinung der anderen ihr egal sein kann, verlor sie die Angst. Sie war danach sehr stolz auf sich.

Fazit

Echtes Selbstbewusstsein entsteht, wenn man sich mit den alten, negativen Botschaften aus der Kindheit auseinandersetzt. Man muss lernen, diese heute nicht mehr zu glauben.